Berghütten haben grundsätzlich einen positiven Ruf, was die Nachhaltigkeit anbelangt. Das Hüttenteam der UTO-Umweltkommission wollte es genauer wissen und erarbeitete zu diesem Zweck einen Hüttencheck mit dem Fokus auf die ökologische Situation der UTO-Hütten.
Die Ziele waren: a) ein gemeinsames Verständnis für Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln, b) die Akteure (Hüttenpersonal, Hüttenverwalter) zu sensibilisieren und c) den aktuellen Stand zu dokumentieren sowie mögliche Verbesserungen aufzuzeigen.
Als Arbeitsinstrument diente der Hüttencheck mit zehn Hauptfragen, der 2017/2018 mit allen UTO-Hütten vor Ort ausgefüllt wurde. Um Fortschritte zu dokumentieren, erfolgte 2023 eine Aktualisierung des Hüttenchecks in der Cadlimohütte und 2024 in der Medelserhütte. Neu wurde eine CO2-Berechnung für die wichtigsten Verursacher im Hüttenbetrieb durchgeführt: Helitransporte, Kochgas und Fleischkonsum. Die Ergebnisse und bewährte Massnahmen werden nachfolgend für die Medelserhütte vorgestellt:
Der Stromverbrauch stammt zu 90 % aus der Fotovoltaikanlage an der Fassade und zu 10 % aus einer Wasserturbine. Dank eines Batteriespeichers kann die erneuerbare Stromproduktion bedarfsgerecht genutzt werden. Für Warmwasser sorgt eine thermische Solaranlage sowie der Überschussstrom der PV-Anlage und der Turbine. Zur Spitzendeckung für Warmwasser und zum Kochen wurden 2024 insgesamt 385 kg nichterneuerbares Flüssiggas verbraucht. Mit einem Ausbau der PV-Anlage könnte knftig mit Strom gekocht und der Flüssiggasverbrauch weiter reduziert werden. Auch die verstärkte Nutzung von Brennholz könnte dazu beitragen.
Das Trinkwasser stammt aus dem etwa einen Kilometer entfernten Lai Encarden und wird auf Trinkwasserqualität aufbereitet. Das amtlich kontrollierte Wasser ermöglicht das Angebot von Süssgetränken mit Sirup als Alternative zu Dosen und Flaschen. Seit 2023 wird das Abwasser in einer stromlosen Dreikammer-Kleinkläranlage gereinigt, die dem neuesten Stand der Technik entspricht.
Das Hüttenteam reduziert Abfälle bereits durch bewusstes Einkaufen. Im Gästebereich gibt es keine Abfallbehälter, ausser in den Sanitärräumen. Die Hüttengäste nehmen ihren Abfall wieder mit ins Tal. Laut Aussage des Hüttenwarts gibt es auch auf den Zugangswegen zur Hütte kein Littering. Essensreste auf den Tellern werden durch das Schöpfen am Tisch vermieden, Reste in der Küche werden weiterverarbeitet, und der verbleibende Anteil wird kompostiert.
Die Anlieferung von Gütern wie Holz, Gas, Lebensmitteln und Getränken erfolgt hauptsächlich per Helikopter. 2024 gab es insgesamt 19 Rotationen, wobei jede etwa sechs Minuten dauert und rund 24 Liter Kerosin verbraucht. Frischprodukte werden teilweise vom Hüttenwart und freiwilligen Hüttengästen aus dem Dorfladen in Curaglia zur Hütte getragen. Zur Sensibilisierung der Hüttengäste nahm die Medelserhütte am Event "Klimaschutz auf dem Teller" von POW teil: An einem Tag der Wintersaison 2021 trugen die Gäste alle Lebensmittel für ihr Abendessen und Frühstück selbst zur Hütte.
Käse, Fleisch, Obst, Gemüse, Wein und Getränke stammen aus der Region Graubünden und dem Tessin, der Rest aus dem Großhandel. Die Hälfte der täglich gekochten Hauptmenüs ist vegetarisch. Der Fleischkonsum liegt bei 60 g pro Hüttenübernachtung (CH-Durchschnitt: 140 g pro Person und Tag) und somit deutlich unter dem Durchschnitt anderer SAC-Hütten.
Die Medelserhütte nimmt auf Eigeninitiative am Programm "Swisstainable" von Schweiz Tourismus teil. Die Hüttenwartin legt grossen Wert auf dieses Label, was sich auch in den Ergebnissen des Hüttenchecks widerspiegelt. Seit Anfang 2023 werden die Versorgungsflüge mit Swiss Helicopter AG auf Wunsch und Kosten des Hüttenteams CO2-kompensiert.
Die Verbrauchsdaten der Medelserhütte können in CO2-Emissionen umgerechnet werden. Die Hauptindikatoren ergeben folgende Werte:
Pro Hüttenübernachtung entspricht dies ca. 1,3 kg CO2. Diese Zahlen beinhalten nicht nur die direkten Emissionen in der Hütte, sondern auch jene aus der Produktion (z. B. Fleischkonsum) sowie dem Transport und der Bereitstellung von Kochgas und Flugtreibstoff. Im Vergleich mit anderen SAC-Hütten schneidet die Medelserhütte bei den Heliflügen und beim Fleischkonsum besser ab, während der Gasverbrauch für Kochen und Heizen dem Durchschnitt entspricht. Die Ergebnisse des Hüttenchecks und der CO2-Bilanz bestätigen die Anstrengungen des Hüttenteams für einen nachhaltigeren Hüttenbetrieb. Die Umweltkommission dankt dem Hüttenwartepaar für sein Engagement und sucht mit allen UTO-Hütten nach weiteren Möglichkeiten, die Restemissionen noch weiter zu senken.
Nachhaltigkeitsprogramme & Kompensation
Die Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol haben ein gemeinsames Umweltgütesiegel für ihre Hütten entwickelt, während die SAC-Hütten bisher auf das Swisstainable-Programm setzen. Zurzeit nehmen acht SAC-Hütten, darunter die Medelserhütte, an diesem Programm teil. Swisstainable vergibt kein eigenes Label, sondern anerkennt bereits bestehende Nachhaltigkeitszertifikate.
Heliflüge werden bei Swiss Helicopter durch den Kauf von Zertifikaten kompensiert, die einer äquivalenten Menge an gespeichertem Kohlenstoff in Form von Pflanzenkohle entsprechen.
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