Seit einem Jahr sind wir als Projektgruppe im SAC Uto unterwegs, um integrative Touren möglich zu machen. Die Idee war von Anfang an simpel: Ganz normale Uto-Touren — einfach mit offenen Türen. Also Touren, bei denen auch Menschen mit Beeinträchtigung (physisch oder psychisch beeinträchtigt, etc.) mitkommen können. Ohne Spezialprogramm, ohne Extrawürste, ohne „Sonderwanderung mit Schonmodus“.
Und ja: Die ersten Touren liefen richtig gut – für alle, die dabei waren… Dank vielen Sitzungen, der starken Unterstützung unserer Sektion, engagierten Tourenleitenden und tollen Begleitpersonen konnten wir im Sommer und vor allem im Herbst mehrere Touren durchführen. Das Echo war positiv, motivierend — und hat uns gezeigt: Das Projekt funktioniert.
Wir hatten ehrlich gesagt zuerst Sorge, ob wir überhaupt genügend Personen mit Beeinträchtigung fürs Projekt finden würden.
Turns out: Die Herausforderung liegt gerade woanders.
Nämlich darin, dass sich unsere Uto-Mitglieder ohne Beeinträchtigung kaum für diese Touren anmelden.
Und da sind wir bei einem kleinen Paradox, das wir inzwischen ziemlich gut kennen: Wir wollten Menschen mit Beeinträchtigung integrieren — und merken nun, dass wir zuerst unsere Mitglieder ohne Beeinträchtigung informieren und „integrieren“ müssen. Die spärlichen Anmeldungen auf diese Touren haben uns das deutlich gezeigt.
Wir vermuten: Die Hemmschwelle, an einer integrativen Tour teilzunehmen, ist ähnlich gross wie die Berührungsängste, die viele von uns aus dem Alltag kennen. Man ist unsicher, will nichts falsch machen, fragt sich vielleicht:
„Muss ich dann helfen?“
„Ist das langsamer?“
„Wird das irgendwie kompliziert?“
Kurze Antwort: Nein.
Integrative Touren sind ganz normale Touren. Für Teilnehmende ohne Beeinträchtigung bedeutet das:
Ihr kommt zum Wandern, Klettern, Hochtouren, Schnee stapfen oder Sonne tanken — wie immer. Nur eben in einer Gruppe, die ein bisschen vielfältiger ist als sonst.
Stell dir vor, du teilst ein Tourenerlebnis mit jemandem, der ohne ein solches Angebot vielleicht nie eine Wanderung oder Hochtour machen könnte.
Nicht aus Mitleid. Sondern weil Bergsport für alle etwas Grosses ist.
Weil die Berge verbinden. Und weil so eine gemeinsame Tour oft mindestens so viel zurückgibt, wie sie kostet (Spoiler: meistens kostet sie sowieso nur ein bisschen Offenheit).
Wir begegnen der Herausforderung auf mehreren Ebenen:
Für 2026 sind bereits weitere Touren geplant. Wir hoffen, dass wir damit mehr Tourenleitende motivieren können — und vor allem: mehr Uto-Mitglieder ohne Beeinträchtigung auf den Startlisten sehen.
Denn Integration ist kein Sprint. Eher eine lange, schöne Gratwanderung. Und wir bleiben dran — motiviert, lernend, mit guten Bergschuhen und tollem Team. Wir lassen die Berührungsängste zuhause.
Und wer sehen will, wie so eine Tour wirklich aussieht, findet hier den Tourenbericht von Marcel Strasser, der im Herbst als Begleitperson auf einer integrativen Tour mitwirkte.
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